Studienfahrten


Studienfahrt nach Auschwitz/Krakau


Stammlager Ausschwitz

Stammlager_1Unser erster Ausflug sollte ins Stammlager Ausschwitz gehen: Es war ein sonniger Herbstmorgen, doch als wir im Stammlager ankamen, spürten wir alle die bedrüdckende Stimmung. Nachdem wir den Eingang passiert hatten, sahen wir vor uns den berühmten Eingang mit der Aufschrift „Arbeit Macht Frei“. Trotz des guten Wetters veränderte sich unsere Stimmung schlagartig, nun waren wir nicht mehr so überschwänglich wie vorher.
Unsere Führung begann mit einem längeren Fußmarsch über das Gelände des großen Stammlagers. Die Baracken, in denen früher die Gefangenen Hunger und Elend erleiden mussten,Stammlager_2 wurden zu einer Art Museum umfunktioniert. Nach und nach konnten wir unterschiedliche Baracken durchlaufen und dabei auf Infotafeln mit geschriebenen Texten und Abbildungen uns ein genaueres Bild über die damaligen Verhältnisse verschaffen. Besonders überwältigend war der Raum, in dem Haare so wie Schuhe der Opfer gesammelt und ausgestellt worden sind. Die Haare, Schuhe und sonstige Habseligkeiten wurden den Opfern bei ihrer Ankunft oder nach ihrem Tod entnommen, um weiter Stammlager_3verarbeitet zu werden. Für uns alle war dies ein sehr niederringendes Erlebnis, da hier bildlich gezeigt wurde, wie sehr die Gefangenen entwürdigt wurden. Wir hatten eine kurze Pause, jedoch konnten wir uns nicht wirklich entspannen, da die negative Stimmung dieses Ortes auf uns einwirkte. Im weiteren Verlauf der Führung konnten wir an wiederaufgebauten Räumlichkeiten sehen, wie die Gefangenen hausen mussten. Außerdem führte unser Weg an der s.g. Todeswand vorbei, an der viele Gefangene hingerichtet wurden. Hier wurden wir gebeten, aus Andacht an die Toten und Respekt vor den Angehörigen keine Bilder zu machen. Dieser Moment vor der Todeswand war mit Sicherheit einer der heftigsten Momente im Stammlager. Zum Ende unserer Führung sind wir in eine letzte Baracke gekommen, in welcher viele Fotos von verstorbenen Gefangenen aufgehängt waren. Diese sind nach dem zweiten Weltkrieg durch mühsames Recherchieren zusammengesucht worden. Der Weg durch diese Flure erwies sich als besonders schwierig. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, einmal eine der Gaskammern des Stammlagers und das Krematorium von innen zu sehen. Die letzte Station unserer Führung war das Haus oder besser gesagt das Anwesen des damaligen Lagerkommandanten Rudolph Höss, welcher nach dem zweiten Weltkrieg auf dem Platz vor seinem Haus erhängt wurde. Der Weg durch das Lager war für uns alle sehr lang, wir alle haben in einer Nachbesprechung angemerkt, dass die Führung für uns teilweise sehr trocken und distanziert war.
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von C. Hunkirchen und H. Merschhemke

 Ein Tag in Krakau

Am vierten Tag stand das jüdische Viertel Kazimierz auf 20140929_104524dem Tagesplan. Unsere Führung begann auf dem Vorplatz der Synagoge Stara. Wir erfuhren viele interessante Fakten über das jüdische Viertel, beispielsweise dass unmittelbar nach der deutschen Besatzung Krakaus während des Zweiten Weltkrieges ein Großteil der Juden in das Krakauer Ghetto umgesiedelt wurde und das Stadtviertel Kazimierz daraufhin weitgehend ausstarb und verfiel. Erst wesentlich später erwachte es wieder zum Leben, die Gebäude wurden hergerichtet, Restaurants und Geschäfte wurden eröffnet und Kazimierz wurde zu dem, was es heute ist.
Es ging weiter zum jüdischen Friedhof direkt an der Synagoge Remuh. Als überraschend empfanden wir dort, dass als Grabschmuck keine Blumen o.Ä. verwendet werden, sondern lediglich Steine in verschiedenen Variationen. Wie uns erklärt wurde, rührt dies daher, dass Blumen welken, Steine jedoch die Zeit überdauern und ewig währen. Nachdem alle männlichen Besucher eine Kippa aufgezogen hatten, betraten wir die Synagoge und durften uns aus nächster Nähe eine Thora ansehen.

20140930_155752Zur Mittagszeit legten wir eine kurze Pause auf einem Marktplatz ein. Hier gab es leckere jüdische Spezialitäten zu günstigen Preisen. Außerdem entdeckten wir dort einen kleinen Flohmarkt, auf dem einige Reliquien aus dem 2. Weltkrieg angeboten wurden. Sehr schockierend waren dabei zum Beispiel mit Hakenkreuzen verzierte Überreste nationalsozialistischer Propaganda, die wir eigentlich nicht in einem jüdischen Viertel erwartet hatten.

Nach der Pause brachen wir in Richtung unserer letzten Station des Tages auf. Unser Guide zeigte uns die Tempel Synagoge, die männlichen Besucher zogen erneut eine Kippa auf und uns wurden anschließend einige Eigenheiten der jüdischen Religion erklärt. Beispielsweise war es den jüdischen Frauen früher nicht erlaubt, gemeinsam mit den Männern im Hauptteil dieser Synagoge zu sitzen. Stattdessen mussten sie auf der äußeren Empore Platz nehmen. Doch heutzutage geht man dort damit liberaler um und die Platzwahl ist nicht mehr vorgeschrieben.

Den restlichen Nachmittag über konnten wir dann das jüdische Viertel in Kleingruppen auf eigene Faust erkunden. Wir waren sehr beeindruckt davon, wie sehr sich die jüdische Religion auf das Gemeinschaftsleben dort auswirkt und wie vernetzt und vielschichtig das Leben dort organisiert ist. Die hohe Anzahl an unterschiedlichen Synagogen zeigt, dass die lange Tradition auch unterschiedliche Denkströmungen hervorgebracht hat und sogar Kontroversen zwischen liberalen und konservativen Auslegungen zur Zersplitterung einer Gemeinde führen kann. Doch das jüdische Gemeindeleben bildet so einen zentralen Punkt in Krakau, sodass das Viertel quasi eine Stadt in der Stadt bildet.

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von A. Lange und L. Duttenhofer


 

Eindrücke aus Oświęcim

Eindrücke aus Oświęcim, dem Stammlager Auschwitz, Auschwitz Birkenau und KrakauLoveKnowsNoBorders

Der erste Eindruck, den wir von Oświęcim (wie die Stadt Auschwitz auf Polnisch genannt wird) hatten, war eher dunkel, da es Nacht beziehungsweise ein früher Abend im Herbst war. Unsere erste Unterkunft war eine Internationale Jugendbildungsstätte, also bekamen wir den Eindruck, in einer  liebevoll gestalteten Jugendherberge zu sein. Eindrücklich in Erinnerung geblieben ist mir eine Galerie mit den verschiedensten politisch, soziologisch oder religiös motivierten großen Plakaten, die für Frieden, Solidarität und Unterstützung von Hungernden oder Unfreien warben.

Bei einer Führung durch die Stadt Auschwitz (Oświęcim) fiel uns vor allem der aufwändig und schön restaurierte Marktplatz mit seinen wunderschön bepflanzten hohen Laternenpfählen und städtischen Gebäuden rings herum auf. In der Nähe dieses Marktplatzes versuchten wir, uns in einer Bäckerei etwas zu essen zu kaufen, mit Erfolg, trotz fehlender Polnisch Kenntnisse, noch nicht einmal unser Englisch half uns, ein verunsichernder aber eindrücklicher Umstand.

FriedhofKraukauMarktplatz

 

 

 

Insgesamt war das Stadtbild eine besondere Mischung aus Gebäuden und etwas mitgenommen sanierungsbedürftigen Straßenzügen, die man genauso gut in einer deutschen Stadt ähnlichen Alters hätte finden können.

Im Gedächtnis blieb uns/mir außerdem der Besuch des jüdischen Friedhofs (siehe oben),  bei dem neben vielen teils sehr verfallen aussehenden Grabsteinreihen ohne erkennbare Grabesgrenzen auch übermannshohe stufenförmige Monumente aus Grabsteinen zu betrachten waren. Wir erfuhren, dass man diese, nachdem man sie, wie alle Steine hier, aus von Nationalsozialisten in Auftrag gegebenen Straßen zurückgeholt hatte, nicht mehr hatte eindeutig identifizieren können.

Der Führung durch Oświęcim folgte eine Führung durch das ursprünglich für Kriegsgefangene und widerständlerische Polen gebaute Stammlager Auschwitz. Ich fühlte mich dort weder wohl noch unwohl, das berühmte Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“, das ich nicht vor dem Stammlager sondern vor Birkenau vermutet hätte, sah ich zwar, aber es drang in diesem Moment nicht bis in mein Bewusstsein, dass dies DAS berühmte Tor war. Ich war zu sehr damit beschäftigt unserem Guide zu folgen und meinen Empfänger, der alles was sie in ihr Mikrofon sagte auf meine Kopfhörer übertrug auf die richtige Frequenz einzustellen. (Bild Tor)

Lager

Das Stammlager bestand aus mehreren Straßenzügen mit zweistöckigen einfachen Backsteinhäusern, die zu gut renoviert oder in Stand waren um von außen den Eindruck zu haben man sei in einem Lager der Nationalsozialisten also in eine Zeit vor über 60 Jahren versetzt.

Wir wurden in einem Tempo durch die verschiedenen Häuser geführt, das längeres Verweilen und Wahrnehmen kaum möglich machten. Die ausgestellten Bilder und Dokumente hinterließen kaum einen Eindruck, eher noch die langen Reihen von Häftlingsfotos, die bei Ihrer Ankunft gemacht wurden und mit Ankufts- und meist Sterbedaten in einigen Häusern die Wände füllten. Mir kam es fast vor, als wären mir diese Menschen schon einmal auf der Straße begegnet, so menschlich, so normal sahen sie aus. Sie waren Menschen wie du und ich, bemerkte ich damals und genau wie ihnen hätte auch jedem von uns in dieser Zeit der Schrecken des Nationalsozialismus begegnen können.

Der einzige schreckliche und überwältigende Eindruck, der meiner Meinung nach die einzige angemessene Reaktion auf das Leid dieser Menschen und auf die Grausamkeit der Deutschen damals ist, wurde hervorgerufen als ich in einem der Häuser einen Raum betrat, in dem linker Hand eine riesige deckenhohe Glasscheibe den Besucher von einer grausam anzusehenden Masse von Haaren trennte, die fast nichts mehr von Rückwand und Decke dieser Vitrine sichtbar ließ. Eine Sträne langen blonden Haars, die sich von dem darunterliegenden fast grau gewordenen Haar absetzte, sorgte zum ersten Mal dafür, dass mir Tränen in die Augen traten. Hier war zu sehen, wie viele Menschen geschändet worden waren für diese Masse, und man sagte mir noch, dies sei nur der letzte übrige Rest gewesen, den man nach der Befreiung gefunden hatte. Alles andere war zu Matratzen oder ähnlichem verarbeitet worden.

Auch der nächste Raum hatte es in sich: ein schmaler Gang, eingerahmt von zwei weiteren deckenhohen Vitrinen voll mit Schuhen. Man sah ihnen an, dass sie benutzt worden waren, der gelbe hatte wahrscheinlich einer elenden Frau gehört, und diese Sandale, dieser Pantoffel, sie waren individuell trotz ihrer schier unzählbaren Zahl, so wie ihre ehemaligen Besitzer.

Ich hatte erwartet, gleiches oder noch viel Schlimmeres in Birkenau zu erleben und zu fühlen. Bei strahlendem Sonnenschein jedoch durchschritten wir das ehemals gefürchtete Tor durch das die Züge und die in Ihnen gefangenen damals ihr todbringendes Ziel erreichten. Mein Gehirn konnte von Anfang an keinen Schmerz erfahren, kein Entsetzen, nur Unwohlsein und sehr sehr großen Unglauben: Das soll die schreckliche Rampe sein, auf der sich zum ersten Mal entschied, ob Tod oder Überleben folgen würde? Diese kleinen Steinhäuser und diese kaum größeren ehemaligen Pferdeställe sollten 600 und teilweise sogar tausend magere elende Menschen beherbergt haben? Und Ratten so groß wie Katzen? Die meisten Baracken sind ja noch nicht einmal restauriert, auf einer großen Teilfläche stehen wenn überhaupt nur Andeutungen von Schornsteinen. Mein Kopf konnte keine Bilder erzeugen, keine Menschen sehen, sich nicht identifizieren.

Stammlager1 Stammlager2

 

 

 

Die Wanderung über das zugegeben große Gelände änderte daran nichts, der angrenzende Wald war einfach nur wundervoll, es war noch warm, die Sonne schien, durch die hohen Bäume fiel immer wieder Licht auf den Waldboden. Wir bemühten uns fast krampfhaft nicht zu fröhlich werden. Wie sollte mein Gehirn Trauer empfinden wenn nur kleine Tümpel mit von Asche geschwärztem Wasser vor mir lagen, die Menschen, die diese Asche erzeugten blieben mir verborgen und konnten mich nicht berühren. Nicht einmal die zerstörten Gaskammer-Krematorien-Komplexe Nummer II und III konnten mich schockieren, sie sahen für mich einfach nur wie Schutt aus vielen eingeknickten dünnen Betonwänden aus, was sie auch waren und damit kaum eine Vorstellung von den vielen Menschen, die in den unterirdischen Gaskammern in ihren Tod getrieben worden waren, erlaubten.

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Stammlager3

 

 

 

 

 

 

Allerdings muss ich zugeben: um sich einen Eindruck von Aufbau, Größe und Lage von Birkenau zu machen, lohnt sich der Besuch wirklich. Um angemessen zu Gedenken und um bei Menschen wirklich etwas auszulösen, wurde man meiner Meinung nach viel zu schnell, in viel zu großen Massen und mit zu vielen Gruppen gleichzeitig über das Gelände geführt. Im Endeffekt gab es auch zu viele Detailinformationen, die eher dazu führte, dass man abschaltete und mehr vergaß als nötig gewesen wäre.

Abschließend noch ein paar Eindrücke zu Krakau und seinem Judenviertel in dem wir wohnten.

Den Stadtkern war praktischerweise fußläufig vom Hotel zu erreichen und ermöglichte uns die Stadt auch auf eigene Faust zu entdecken. Am Fuße des Wawel (Schlosshügels) begann ein parkähnlicher  Grünstreifen der sich eine längere Zeit durchlaufen ließ, und sei es nur um zur modernen Shoppingmall zu gelangen.

Insgesamt wirkte Krakau von den Gebäuden her älter als typische deutsche Städte, doch dieser Eindruck hatte seinen eigenen Charme.

Am jüdischen Viertel waren zuerst die Klezmerbands ins Auge gefallen. Klezmer ist ein Musikstil der auf jüdischen Hochzeiten entstand und sehr tänzerische Musik durch für Osteuropa typische für uns meist ungewohnte Intervalle erzeugt. Positive Eindrücke hinterließen auch diverse koschere Restaurants, deren israelische Küche oft auch noch vegan war.

Kraukau

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von L. Groß und B. Hartmann


Lagerkommandant Rudolf Höß

RudolfHöß1Rudolf Franz Ferdinand Höß wurde als Sohn eines streng katholischen Kaufmanns am 25. November 1900 in Baden-Baden geboren und besuchte nach einem Umzug das Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim. Bereits früh zeigte er eine starke Affinität zum Nationalen und Militärischen, nach dem Tod des Vaters schloss er sich mit fünfzehn Jahren der deutschen Armee an und kämpfte an den Fronten des Osmanischen Reiches im ersten Weltkrieg gegen die Truppen des Britischen Empires im Nahen Osten, genauer gesagt in dem Gebiet der heutigen Staaten Türkei, Irak und Israel. Höß wurde Unteroffizier und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Doch auch nach dem Krieg endete das Kämpfen nicht für ihn. Er wurde Teil des Freikorps Roßbach, eine jener paramilitärischen, nationalistischen Verbände der Weimarer Republik. Für dieses kämpfte er im Baltikum, Oberschlesien und im Ruhrgebiet. Seine Zeit nach der Tätigkeit im Freikorps war geprägt von wirtschaftlicher Unsicherheit, die in an den Rand des Selbstmord trieben. Aus diesen Depressionen wurde er schließlich von der Nationalsozialischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) geholt, der er im November 1922 betrat. Am 31. März 1923 war er an der Ermordung von Walter Kadow beteiligt. Dieser war ebenfalls ein Nationalist, der auch im Freikorps Roßbach gewesen war. Kadow war verdächtigt worden, Albert Leo Schlageter, einer weiteren wichtigen Persönlichkeit der Szene, an die belgischen und französischen Besatzungstruppen im Ruhrgebiet verraten zu haben. Schlageter wurde später von einem   französischen Militärgericht zum Tode verurteilt worden und am 16. Mai 1923 von einem Erschießungskommando hingerichtet. Höß wurde verhaftet und am 15. März 1924 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, jedoch bereits am 14. Juli 1928 wieder freigelassen. Nach seiner Freilassung betätigte er sich in der Landwirtschaft und spielte eine führende Rolle in ländlichen nationalsozialistischen Verbänden. Dabei lernte er Heinrich Himmler kennen. 1929 heiratete er Hedwig Hensel, das Paar war bis 1943 zusammen und hatte fünf gemeinsame Kinder. Am 20. September 1933 trat er der Schutzstaffel (SS) bei und wurde dort Offizier. Für die SS war er an Verbrechen in den Konzentrationslagern Dachau und Ausschwitz beteiligt.Mauer1
Rudolf Höß wurde 1941 zum Aufbau des Konzentrationslagers Auschwitz Birkenau beauftragt.
Dort sollte er den Auftrag des Adolf Hitlers „Endlösung der Judenfrage“ ausführen, also die Vernichtung unzähliger Juden, egal ob Männer, Frauen oder Kinder, welche dorthin transportiert wurden in Güterwagons. Höß leitete schließlich ab dem Jahreswechsel 1941/1942 die anfangende Vernichtung der Juden, Homosexuellen und anderen im Konzentrationslager Auschwitz Birkenau. Als Lagerkommandant war er der Befehlshaber der Wachmannschaften und des anderen von der SS eingesetzten Personals. Neben seiner Befehlsgewalt gab es aber immer auch Befehlsstrukturen der Inspektion der Konzentrationslager, die für eine Einbindung des Lagerbetriebs und -personals in das Gesamtsystem der Ausbeutung der KZ-Häftlinge und deren Ermordung sorgten.
Weiterhin wurde uns bei unserer Besichtigung durch das KZ Auschwitz – Birkenau von unserem Guide erzählt, dass Lagerkommandanten sich teilweise mit ihrer Familie an den Rand gesetzt haben und zugeschaut haben, wie die Juden ihrem Tod entgegen gingen.
Später allerdings, nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde er gesucht und von britischen Fahndern auch schließlich gefunden obwohl er leugnete Rudolf Höß zu sein. Ihn verriet jedoch sein Ehering auf dem die Namen Rudolf und Hedwig (seine Frau, die zuvor behauptete, dass er tot sei). Daraufhin wurde er von den Briten heftig Zusammengeschlagen und anschließend mitgenommen. Am 25. Mai 1946 wurde er dann den Polen ausgeliefert und die dort zuständige Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen ihn. Am 2. April 1947 fällte das Oberste Volksgericht in Warschau das Urteil: Tod durch den Strang. Vollstreckt wurde das Urteil 14 Tage später auf dem Lagergelände des KZ Auschwitz.
http://www.carnialibera1944.it/immagini/auschwitz/hoess.jpg
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von J. Schröter und G. Reder


Lagerarzt Josef Mengele und seine Menschenversuche

Birkenau1Der deutsche Mediziner und Anthropologe Josef Mengele wurde am 16. März 1911 in Günzburg geboren und starb am 7. Februar 1979 in Bertioga in Brasilien.Josef Mengele war von Mai 1943 bis Januar 1945 als Lagerarzt im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz tätig. Dort selektierte er die Ankömmlinge und führte medizinische Experimente an ihnen durch, wobei diese weder ethisch noch moralisch vertretbar waren.

Während seiner Tätigkeiten im KZ betrieb er in besonderem Maße Studien zur Zwillingsforschung an lebenden Menschen und forschte nach Methoden, um Menschen unfruchtbar zu machen.Außerdem versuchte er sich an Methoden zur Transplantation von Knochenmark und probierte Methoden zur Therapie von Fleckfieber und Malaria aus.Der NS-Kriegsverbrecher Josef Mengele starb eines natürlichen Todes (Schlaganfall) und erhielt keine Strafe für seine grauenhaften Taten.
Was uns im Kopf geblieben ist:
Besonders schockierend fanden wir, mit welcher Leichtigkeit Mengele über Leben und Tod entschieden hat. Durch eine einzige gleichgültige Handbewegung an der Rampe teilte er die Menschen in “lebenswürdig” und “nicht-lebenswürdig” ein und war damit verantwortlich für tausende von Schicksalen. Währenddessen suchte er sich potenzielle Opfer für seine Menschenversuche, die er sich dann unter einem Vorwand in seine Praxis im Stammlager bringen ließ. Darunter waren Schwangere, Kinder (besonders “beliebt” Zwillinge) und Säuglinge.
Die genauen Beschreibungen der Experimente trafen uns sehr, denn wir konnten uns in keinster Weise vorstellen, wie ein Mensch zu einer solchen Tat fähig sein konnte.
Um uns selbst zu schützen, versuchten unsere Guides die Führung möglichst ohne Pausen oder Zeit zum Nachdenken durchzuführen. Was dazu führte, dass die Führung anstrengend war.
Während der Führung wurden uns Bilder von “behandelten” Menschen gezeigt, die vollkommen verstümmelt und mit eiternden Wunden zurückgelassen wurden.
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von M. Polten, C. Fuß, K. Fuß, A. Becker und J. Jaschke


IG Farben

Während unseres Aufenthaltes in Auschwitz erfuhren wir nur am Rande über die Tätigkeiten des Chemie-Konzerns IG Farben zur Zeit des Nationalsozialismus. Daher war es unsere Intention beim Verfassen dieses Überblicks, Hintergründe über die Zwangsarbeit in Auschwitz zu erschließen und mit unseren Beobachtungen und Erfahrungen dort in Verbindung zu setzen.

Vor dem Krieg

Bereits im Jahr 1904 wurde unter der Leitung des Bayer-Unternehmers Duisberg eine “Interessen-Gemeinschaft“ im deutschen Teerfarbenindustriezweig geschaffen. Im Dezember 1925 trat schließlich ein von den großen deutschen Chemiekonzernen wie BASF oder Bayer signierter Vertrag in Kraft, der v.a. konkurrenzlose Zusammenarbeit vorsah. Es gründete sich 1926 die “I.G. Farbenindustrie AG” als eines der seinerzeit größten und wirtschaftsstärksten Chemieunternehmen, führend beispielsweise im Haber-Bosch-Verfahren, welches uns aus dem Unterricht bestens bekannt ist.

Bemerkenswert ist, dass die IG Farben in den 20er Jahren des 20en Jhd. von breiten Teilen der Politik (auch der noch jungen nationalsozialistischen Strömung) abgelehnt wurde. Zu ersten Annäherungen zum Nationalsozialismus und zu Hitler kam es im Zuge der Herstellung synthetischen Treibstoffs nach dem sog. Bergius-Pier-Verfahren, welches sich als unrentabel herausstellte. Hitler versprach als Lösung protektionistische Maßnahmen (Schutzzölle), sodass beide profitieren würden.

Es folgte eine groß angelegte Unterstützung des NS-Regimes; der “Agrarkartellierung” wurde zugestimmt, Wahlfonds in Millionenhöhe für die NSDAP wurden mitfinanziert und zugestimmt. Im Gegenzug wurde die AG mittels Markteingriffe vor Verlusten bewahrt. Die enge Verflechtung lässt sich zudem an der NSDAP-Mitgliedschaft fast aller Direktoren der Firma erkennen.

Stark profitiert, d.h. expandiert, hat das Unternehmen durch die “Arisierungen”, also die Übernahme jüdischer und anderer kriegsbedingter Vermögen.

Ferner kam der AG eine wichtige Rolle in Hitlers “Vierjahresplan” zur Kriegsvorbereitung der Wirtschaft bei; Posten in der Planungbehörde wurden von ranghohen Mitarbeitern besetzt.

Vor dem Beginn des 2. Weltkriegs leistete die IG Farben AG den Putschisten um General Franco im spanischen Bürgerkrieg umfangreiche Hilfeleistungen (finanziell, medizinisch und waffentechnisch).

Carl Krauch, Vorstandsvorsitzender der IG Farben forderte Ende April 1939, also ein knappes halbes Jahr vor dem Überfall Deutschlands auf Polen, eine deutliche Erhöhung des Kriegspotentials der “Achsenmächte”, um eine potentielle “rasche Kriegsentscheidung” herbeizuführen.

Während des Krieges

Der Bau der Buna-Fabrik in Auschwitz leitete die dunkelste Ära der IG Farben ein. Um den Bau der Fabrik zu erleichtern wurde das Konzentrationslager Monowitz (Auschwitz III) errichtet. Dort wurden nämlich Häftlinge untergebracht, die die Fabrik errichteten. Beim Bau und Betrieb starben fast 25 000 Menschen.

Obwohl man sich den Risiken der Giftgasproduktion bewusst war, ließ sich Deutschland während des Kriegs von den IG Farben von Gasen wie Tabun und Sarin beliefern. Das vermutlich bekannteste Produkt der IG Farben ist das so genannte „Zyklon B“, wodurch der Massenmord an Häftlingen in den Konzentrationslagern ermöglicht wurde. Im Stammlager Auschwitz wurden wir in die Gaskammern geführt, wo man die Einfuhrorte des Gases erkennen konnte.

Die IG Farben konnten finanziell von der skrupellosen Politik der Nationalsozialisten profitieren. So verdiente sie an menschenvernichtenden Waffen, Medikamenten für sterbende Soldaten, an der „Industrialisierung“ des Völkermords in den Konzentrationslagern sowie an der massenhaften Versklavung von Häftlingen und „Feindbevölkerung“.

Zerstörung und Nachkriegsgeschehen

Während des Krieges stellten die riesigen Werke der IG Farben in Auschwitz, welche sich über etwa 30 km² erstreckten, ein häufiges Ziel alliierter Luftangriffe dar. Nach der Auflösung der Konzentrationslager in Auschwitz durch russische Truppen am 14. April 1945 fand eine weitere Demontage der Anlagen durch alliierte Kräfte statt. Dies geschah mit der Absicht Deutschlands rüstungswirtschaftliches Potential längerfristig zu mindern. Aufgrund der Demontage konnten wir uns bei unserer Besichtigung der Lager keinen Eindruck von den Ausmaßen der Werke von IG Farben machen: Von diesem Ort des Todes und der Angst ist heute nur noch eine friedliche Wiese übrig, die wir von Birkenau aus sehen konnten. Dieser Kontrast war schwer erfassbar.

Im späteren Verlauf des Schicksalsjahres 1945 wurde die sogenannte “Alliierte IG-Farben-Kontrolle” gegründet, ein Organ, welches die Nachkriegstätigkeiten des Konzerns überwachte. Die Werke, welche sich in der russischen Besatzungszone befanden, standen erst unter sowjetischer, später unter ostdeutscher Verwaltung, wobei sie bei der Übergabe an die DDR bereits größtenteils demontiert waren. Die drei westlichen Besatzungsmächte hingegen waren an einer Auflösung der IG Farben nicht sonderlich interessiert, da diese eng mit der US-amerikanischen Standard Oil zusammengearbeitet hatte. Somit wurde der Betrieb in elf Nachfolgeunternehmen aufgespalten und weitergeführt, zu denen unter anderem die Bayer AG und BASF gehören.

Im Rahmen der Nürnberger Prozesse waren 1947 23 Führungskräfte der IG Farben vor Gericht, wo auch ehemalige Zwangsarbeiter angehört wurden. Die Kriegsverbrecher wurden mit relativ milden Strafen von bis zu sechs Jahren belegt, viele wurden bereits nach zwei Jahren wegen guter Führung aus der Haft entlassen.

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von F. Hemman


Widerstand in Auschwitz

GedenksteinWährend unseren Führungen durch das Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau und dessen Stammlager erfuhren wir etwas über den dortigen Widerstand, der aus Fluchtversuchen und Sabotagen bestand. Es gab einige Versuche, leider glückten nur wenige. Durch die brutalen und schrecklichen Vorgehensweisen der Wachposten (SS-Soldaten) war dies so gut wie unmöglich.

Das schreckliche und ausgeklügelte System der Massenvernichtung und Unterdrückung im Lager ist unvorstellbar und schon beim Betreten des KZ hatten wir ein beklemmendes Gefühl. Die enorme Fläche, umgeben und eingeteilt durch hohe, elektrische Stacheldrahtzäune, komplett überwacht durch die SS und der ständige Terror, die Repression und die kollektiven Bestrafung führten zu einem Klima der Angst und des Schreckens. Durch gezielte Schwächung der Solidarität der Gefangenen versuchte das Wachpersonal mögliche Widerstände zu verhindern.
Dennoch gab es Widerstand unter anderem als Sabotagen und Fluchtversuche. Insgesamt gab es 802 dokumentierte Fluchtversuche davon glückten leider nur 144. Das reine Überleben der Gefangenen ist allerdings schon als indirekter Widerstand gegen das System zu sehen. Zudem wurden kranke und schwache Mitgefangenen versteckt, Akten gefälscht um Tötungen zu verhindern und die Menschen versuchten Religionen und Bräuche weiter auszuführen.
Der einzige große bekannte bewaffnete Aufstand war der des Sonderkommandos am 07. Oktober 1944. Generell musste ein sogenanntes Sonderkommando bei der Vernichtung von Häftlingen mithelfen. Regelmäßig wurden aber auch diese exekutiert und ausgetauscht um die Weitergabe ihres Wissens über die Gräueltaten, zu verhindern. Das Sonderkommando erfuhr von ihrer bevorstehenden Exekution und entschloss sich zu handeln. Ihnen gelang es einige SS-Wachen zu überwältigen. Mit Hilfe von selbstgebauten Granaten sprengten sie ein Krematorium und beschädigten ein weiteres. Besonders eindrucksvoll fanden wir, diese zerstörten Bauten mit eigenen Augen bei unserer Führung zusehen. Leider wurde dieser Aufstand in kurzer Zeit niedergeschlagen und 451 Häftlinge sofort hingerichtet.
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Das Mädchenorchester von Auschwitz

MädchenorchesterIch habe mich mit dem Thema „Das Mädchenorchester in Auschwitz“ beschäftigt. Ich war sehr schockiert, als unser Guide erzählte, dass es ein Orchester aus weiblichen Musikerinnen gab, das die gefangenen, neu ankommenden Menschen in Auschwitz begrüßte. Daraufhin wollte ich mehr über dieses Orchester herausfinden, insbesondere die Aufgaben und die Motivation der Musikerinnen.

Das Orchester bestand aus Gefangenen, die durch zusätzliche Nahrung und bessere Hygienebedingungen eine Möglichkeit erhielten, dem direkten Tod zu entgehen und somit zu Überlebenden des Holocausts wurden. Die Ursache der Entstehung des Orchesters ist auf die Leitung des Konzentrationslagers zurückzuführen, die sich um das Wohl des SS-Personals sorgte und versuchte, diese damit zu unterhalten. Darüber hinaus musste dieses Orchester täglich morgens und abends Marschmusik für eine militärische Ordnung spielen, bei der Selektion der Juden versuchen, mit der Musik die Menschen zu beruhigen, um den Schein zu waren, dass das Konzentrationslager nicht so schlecht sei, bevor es dann für die meisten Neuankömmlinge doch direkt zum Krematorium ging.
Bereits zu Beginn des Jahres 1941 gab es die ersten Männerorchester, in dem noch keine Juden erlaubt waren. Erst als es einen Mangel an Musikern gab, wurden Juden im Orchester aufgenommen. So erhielt auch die Jüdin Alma Rosé die Möglichkeit, Musik zu spielen und dem Tod vorerst zu entkommen, und wurde später sogar zur Kapellmeisterin befördert.
Alma Rosé wurde 1906 als Tochter eines angesehenen Musikers geboren. Schon früh galt sie als musikalisch hochbegabt, aber stand als junge Frau sehr im Schatten der von Männern dominierten Familie. Mit 26 Jahren gründete sie ihr eigenes Orchester, mit dem sie in ganz Europa auf Tour war. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs musste sie mit ihrem Vater fliehen. Durch einen Verrat wurden sie von SS-Soldaten verhaftet und nach Auschwitz deportiert. In Auschwitz wurde sie in den Block von Josef Mengele eingeteilt, der in dieser Zeit mit Menschen experimentierte. Sie ahnte, dass ihr Tod bevorstand und bat deswegen, ein letztes Mal Geige spielen zu dürfen. Das SS-Personal erkannte ihr Talent und verschonte sie vor der Vergasung. Stattdessen trat sie dem Orchester bei und wurde sowohl zu einer leidenschaftlichen Künstlerin als auch eine strenge Lehrerin. Bis zu ihren Tod im Jahre 1944 leitete sie dieses Orchester, aber die Todesursache ist nicht bekannt. Nicht nur die Musiker aus dem Orchester, sondern auch die Mannschaften des SS-Personals stimmte ihr Tod traurig.
Zusammengefasst kann man sagen, dass das Orchester für die Musiker ein ungeheures „Glück“ im unfassbar großen Unglück war, die dadurch den Holocaust überlebt haben. Doch obwohl die Musiker einige Privilegien besaßen, waren sie immer mit dem Tod konfrontiert. Das Orchester war eine Gemeinschaft aus Menschen aus aller Welt, die gemeinsam um ihr Überleben kämpften.
http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/drittes_reich/auschwitz/maedchienorchester.jsp
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von J. Shu