„Marhaba“ heißt „Guten Tag“

Mehrsprachigkeit erleben
ein Mini-Projekt in der Q2 (das Miniprojekt des Deutsch-Grundkurses von Frau Becher-Mayr in der Q2)

Mehrsprachigkeit ist eines der vielen Themen, das die Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht für das Abitur vorbereiten müssen. Also, gut, was erwartet uns da: Fachbegriffe wie Immersion, doppelte Halbsprachigkeit, code-switching … – Der Kurs beschließt, das Thema einmal ganz praktisch zu“ erleben“ – und plant einen kleinen Workshop mit der Internationalen Klasse. Freitag, den 1. Dezember 2017 war es so weit! Wie das gelaufen ist, das kann man hier lesen, hören, sehen….

02.02.2018, Astrid Becher-Mayr (Klassenlehrerin IK)

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Meine Erfahrung mit Schülern der IKA

Am Freitag den 01.12.2017 besuchten wir, der Deutschgrundkurs Q2 von Frau Becher-Mayr, gemeinsam für eine Doppelstunde die IKA. Dort wollten wir unser derzeitiges Thema „Mehrsprachigkeit“ selbst erleben.

Zu Beginn bekam jeder Schüler unseres Grundkurses einen Schüler der IKA zugeteilt.

Meine Schülerin war die 14 jährige Hala aus Syrien. Hala ist mit Geschwistern und Eltern nach Deutschland gekommen und lebte, bevor sie hier nach Merten zog, ca. fünf Jahre in Ägypten. Sie selbst fühlt sich hier jedoch wohler und möchte hier in Deutschland wohnen und studieren, was sich an ihrem Einsatz in der Schule deutlich macht.

An ihren sehr guten Deutschkenntnissen zeigt sich wie ehrgeizig sie ist und dass sie sehr viel lernt. Ich war sehr überrascht, dass es von Anbeginn an keine Verständnisprobleme gab, da ich dachte die Schüler der IKA würden nicht so gute Deutschkenntnisse haben. Nach meiner Einschätzung gab es aber in keiner der verschiedenen Schülergruppen große Verständnisprobleme.

Als Hala und ich gemeinsam Übungen aus ihrem Lernheft machten, konnte sie auch dies fast ohne meine Hilfe, lediglich ein paar Verben sollte ich ihr erläutern. Bei dem Anfertigen der Aufgaben war ich sehr überrascht, dass sie auch Satzbau und Rechtschreibung so gut beherrscht, da ich später feststellen konnte, dass diese Sprachmerkmale in ihrer Muttersprache Arabisch ganz anders sind.

Der Schlüssel für ihre gute Sprachkenntnis liegt glaube ich darin, dass sie, so wie sie mir erzählte, viel Wert darauf legt, möglichst viel Deutsch zu sprechen. Sie ist auch der Ansicht, dass es nicht gut ist, wenn die Kinder in der IKA sich über ihre verschiedenen Muttersprachen verständigen, da sie so nicht richtig Deutsch lernen. Auch diese Aussage fand ich sehr beeindruckend, da es auch für den Integrationswillen spricht der oft bei Migranten angezweifelt wird. Bei Hala lässt sich dies in keinem Fall anzweifeln, sie besucht beispielsweise auch mit großer Freude bereits die Regelklasse in den Fächern Erdkunde, Mathe und Englisch und wird so direkt mit der deutschen Sprache konfrontiert und taucht in diese ein (Immersion).

Nachdem wir uns kennengelernt und was über Deutsch gelernt haben, durfte ich mich auch an Arabisch versuchen. Hala hat mir typische, arabische Phrasen, sowie die Zahlen von eins bis zehn beigebracht, indem sie mir die Wörter langsam vorgesagt und ich diese wiederholt habe. Das Erlernen war nur auf diese Weise möglich, da im Arabischen andere Buchstaben verwendet werden und ich die Wörter darum nicht lesen konnte. Zudem haben wir für die Präsentation in der IKA ein Kennenlern-Gespräch eingeübt.

Auch wenn es nicht unbedingt einfach war, hat es mir sehr viel Spaß gemacht mit Hala zu lernen. Ich glaube es war für uns beide eine schöne Doppelstunde, bei der wir uns auch über die Sprachversuche der anderen Gruppen amüsieren konnten. Für mich war es auf jeden Fall eine super Erfahrung in der IKA und ich denke solche Stunden sollten öfter stattfinden, um die verschiedenen Klassen zusammenzuführen und die Augen für andere Kulturen und Sprachen zu öffnen. Ich ziehe außerdem meinen Hut vor den IKA Schülern, die die deutsche Sprache in so kurzer Zeit so gut lernen.  Zu hoffen bleibt, dass Halas Wunsch nach Frieden in Syrien und ihr Traum Zahnärztin zu werden in Erfüllung gehen.

Elena Keller, Q2

Das Erlernen der deutschen Sprache als Fremdsprache außerhalb der kritischen Phase

Letzte Woche sind wir als Schüler der Q2 in die internationale Klasse (IKA) gegangen, um mit den Schülern Deutsch zu lernen. Der mir zugeteilte Schüler heißt Kevin, er ist 15 Jahre alt und ist erst seit neun Monaten in Deutschland. Seine Muttersprache ist Englisch (geboren wurde er in Nigeria, lebte allerdings viele Jahre in Spanien und den Niederlanden), allerdings spricht er so gut Deutsch, dass ich nur selten nachfragen musste, um den Sinn seiner Aussage nachvollziehen zu können.

Anfangs unterhielten wir uns, um uns besser kennenzulernen. Dafür hatten wir beide mehrere Fragen aufgeschrieben. Hier wurde schnell deutlich, dass Kevin noch große Probleme beim Lesen hatte, welche man in einem Gespräch überhaupt nicht merkte. Das könnte daher kommen, dass, wenn er in die Sprache eintaucht (Immersion) meistens nur spricht und nicht schreibt und liest. Dies zeigte sich noch deutlicher, als wir anfingen Grammatik-Aufgaben zu bearbeiten, weil er hier große Schwierigkeiten hatte. Wohingegen er bei einem Gespräch fast schon instinktiv handelte, musste er bei den Aufgaben bei jeder Konjugation nachdenken und sich die Regeln vor Augen halten.

Da in der IKA viele Kinder aus verschiedenen Ländern sind, sind diese dazu gezwungen sich auf Deutsch zu unterhalten, da nicht jeder die gleiche Muttersprache besitzt. So kommt es automatisch zur Immersion. Da allerdings nur wenige fließend Deutsch sprechen, werden die Schüler zwar meistens voneinander verstanden, aber nicht berichtigt, wenn sie sich grammatikalisch falsch äußern. Das führt oft dazu, dass sie grammatikalische Strukturen falsch aufnehmen und bei schriftlichen Aufgaben umso mehr Schwierigkeiten haben.

Daher würde ich vorschlagen, die Schüler der IKA und die Schüler der Regelklassen in Fächern, in denen sie sich nicht gegenseitig vom Lernerfolg abhalten, zu vermischen. So könnten die Schüler der IKA mit den Anderen zusammen in Sport, Kunst oder zum Beispiel Musik unterrichtet werden.

Hendrik Kurth, Q2

Essay zum Besuch der internationalen Klasse

Am Mittwoch haben wir uns auf den Besuch der internationalen Klasse vorbereitet. Wir haben den Deutschunterricht bis dahin recht gewöhnlich gestaltet, bis Frau Becher-Mayr den Vorschlag in die Klasse warf,  wir könnten uns doch, passend zur Unterrichtsreihe „Mehrsprachigkeit“,  mit den Kindern der internationalen Klasse zusammentun.

Das Ziel dabei sollte es sein, sich gegenseitig kennenzulernen und Sprachen zu lehren. Dazu wurden Vorschläge für die Umsetzung gebracht. Unter anderem Spiele, Fragen an und von den Schülern der internationalen Klasse mit dem Hintergrund, zu verstehen, weshalb sie nach Deutschland gekommen sind. Zudem wechselseitiges Lernen und das Helfen unsererseits bei deren Aufgaben, die sich täglich erneuern.

Die Hausaufgabe war es also, zehn Fragen zu formulieren und Strategien zu entwickeln, die zum produktiven Lernen führen. In den Fragen gab es viele Dopplungen unter uns Deutschkursbesuchern, vor allem im Hinblick auf Herkunft, Alter und Weiteres zur Person.

Dann war es Freitag und wir trafen uns kursintern im Forum, um gemeinsam die IKA zu besuchen. Gemeinsam betraten wir die Klasse und wurden sowohl von den Schülern als auch von Herrn Ley herzlichst begrüßt. Die Altersspanne der Schüler der IKA reichte von 11 bis 15 Jahren. Frau Becher-Mayr hat zur erfolgreichen Gestaltung der Stunde eine Paarungsliste erstellt, die angibt, wer mit wem zusammen arbeitet.

Rund ein Drittel musste uns nach der ersten Stunde aufgrund von Klausuren verlassen, so kam es dazu, dass manche IKA-Schüler keinen Partner mehr hatten. Mein persönlicher Partner war Fajad, ein 15-jähriger Syrer. Wir begannen, uns gegenseitig die vorbereiteten Fragen zu stellen. Dabei erfuhr ich viel über ihn als Person. Fajad ist samt seinen 4 Brüdern, seinem Vater und seiner Mutter, die jedoch kein Deutsch kann, nach Deutschland gekommen. Sie sind aufgrund des dort herrschenden Krieges geflohen. Sein Vater ist hier Apotheker und seine Mutter kümmert sich um seine Brüder, die alle jünger als er selbst sind.

Nachdem ich all dies über ihn erfuhr, machten wir uns an seine Aufgaben, die sich mit Grammatik und Satzstruktur befassten. Dann brachte Fajad mir einige Bröckchen Arabisch bei. Unter anderem „Hallo!“, „Wie geht es dir?, „Ich liebe dich!“ usw. Unsere Aufgabe war es, auf Basis dieser Neu-Kenntnisse einen Dialog oder Monolog vorzubereiten und diesen anschließend zu präsentieren. Dies brachte eine Menge Spaß mit sich. Danach war die Doppelstunde vorüber und wir verabschiedeten uns. Es war eine neue Erfahrung, die ich hiermit gerne teile.

Tom Wirtz, Q2  

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